Nina Tripp - "Ich brauch Tapetenwechsel"
Nina Tripp - "Ich brauch Tapetenwechsel"
Nina Tripp
Ich brauch Tapetenwechsel

Ein szenischer Chansonabend und eine Hommage an Hildegard Knef

Ein Paket von Ebay, auf dem dick und fett „KNEFSAMMLUNG“ steht, das gerade noch rechtzeitig auf der Bühne angeliefert wird und ein gespannter (spannender) roter Faden sind Ausgangpunkt und Aufhänger dieses unterhaltsamen Chansonabends rund um das aufregende Leben von Hildegard Knef.

Die Chansonette Nina Tripp mausert sich zunehmend zu einer genießbaren Mixtur aus deutschem Chanson und amerikanischem Jazz.

Nach Marlene Dietrich, Hollaender und Pigor widmet sie ihr viertes neues Programm ihrem Publikum, sich selbst und vor allem Hildegard Knef. Ge- und entspannt darf man sich auf eine abwechslungsreiche Mischung aus szenischem Spiel und vielen Knef-Songs freuen.

Hildegard Knef, deren Leben einem Hoch- und Tiefbauunternehmen in Achterbahn ähnlicher Manier glich, begann ihre Karriere als Schauspielerin im ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns“ und ergatterte sich Mitte der 60er Jahre ihren Stammplatz in der ersten Reihe der Chanson- Texterinnen und Interpretinnen ihrer Zeit.

Bis heute gilt Hildegard Knef als eine Frau und Künstlerin, die in ihrem Leben Bedeutendes geschaffen und viele Menschen mit ihrer Kunst und auch mit ihren Lebensdramen berührt hat. Stoff und Grund genug für eine außergewöhnliche Hommage an Hildegard Knef von Nina Tripp, die von Martin Brödemann am Piano begleitet wird.

 

Die Größte Sängerin ohne Stimme
Chansonette Nina Tripp führt das Publikum in der Werkstadt unterhaltsam und einfühlsam durch das bewegte und spannende Leben der Hildegard Knef von Bianca Braunschweig

„Aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, lässt sich häufig etwas Gutes bauen. Und das hat Hilde getan.“ Mit diesem Spruch kommentierte Nina Tripp das Wirken der unvergessenen Hildegard Knef. Doch es blieb am Samstagabend in der Werkstadt nicht beim Vorlesen biografischer Eckdaten der Grande Dame der Nachkriegszeit. Das knapp zweistündige Programm basierte auf den bekannten Liedern der wohl „größten Sängerin der Welt ohne Stimme“, wie Ella Fitzgerald die rauchig klingende Hildegard Knef einmal bezeichnet hatte.

Kann man eigentlich einen roten Faden durch das aufregende Leben der Knef spannen, das eher zickzack als geradlinig verlaufen ist? Nina Tripp tat dies – und zwar auf der Bühne. Von links nach rechts zierte ein roter Faden den Bühnensaum, der im Laufe des Abends mit markanten Bildern bestückt wurde.

Diese kramte Nina Tripp nach und nach aus dem Ebay-Paket „5 kg Knef-Sammlung“ hervor und trug wichtige Episoden aus Knefs Leben vor: 1925 geboren, ihre Karriere durch die Nacktszene in „Die Sünderin“ mit einem Skandal begonnen, erste Heirat, die zweite Heirat mit dem Frauenschwarm David Cameron, mit 42 Jahren die Geburt von Christina, Bestseller geschrieben, dritte Hochzeit, Krankheit, Tod 2002.

Die geraffte Lebensgeschichte der Knef wurde eingebettet in ihre Songs, die die äußerst attraktive Nina Tripp mit viel Stimm- und Körpereinsatz zum Besten gab. Begleitet wurde sie vom Pianisten Martin Brödemann. Das Duo überzeugte die rund 40 Zuschauer in der Studiobühne. Bei den Chansonhits „Eins und eins, das macht zwei“ oder der Liebeserklärung „Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen“ kamen bei einigen im Publikum Erinnerungen an vergangene Tage hoch und das ein oder andere Tränchen bahnte sich seinen Weg. Gerade die zweite Hälfte der Vorstellung berührte und war gesanglich um einiges besser als die erste: eben warm, weich, rauchig. Und so wurde mit dem Lied: „Es hat alles seinen Anfang, es hört alles einmal auf“ das Finale des Abends eingeleitet, das dank des „Rote Rosen“-Klassikers kraftvoll und rührend zugleich war. Die Zugabe endete mit einem tiefen Fall der Chansonette auf den harten Bühnenboden – inszeniert natürlich. Applaus.
WAZ Witten, 30.06.08  

   

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